Tunnelbau

Bergmännisch, offene Bauweise oder Deckelbauweise mit Bohrpfählen

Tunnel ist nicht gleich Tunnel: Man unterscheidet je nach Bauweise zwischen bergmännischer Bauweise, offener Bauweise (mit anschließender Überdeckelung) und der Deckelbauweise mit Bohrpfahlwänden. Die verschiedenen Varianten unterscheiden sich nicht nur bezüglich der Kosten sondern auch hinsichtlich der Beeinträchtigungen während der Bauzeit.

Bergmännischer Tunnelbau

Bergmännische Tunnel werden mit einer Spezialmaschine tief in den Untergrund gebohrt, die Röhre wird dabei sofort betoniert. Das geht in Kies, Sand oder Gestein, auch im Grundwasser. So wurde der (verworfene) Zentrumstunnel geplant, aber auch der Gögerl-Tunnel (Ost-Ortsfern) und der Neidhardt-Tunnel (West-Kurz) würden bergmännisch gebaut. Ebenso handelt es sich beim Tunnel Starnberg sowie den Tunnelbau-Projekten im Raum Garmisch um bergmännische Tunnel. Das Verfahren kann mit den anderen (z.B. am Tunnelportal) kombiniert werden, der Bau hat an der Oberfläche die geringsten Auswirkungen, Gebäude können erhalten bleiben, aber die Baukosten sind relativ hoch.

Offene (Deckel-)Bauweise

Bei der offenen (Deckel-)Bauweise wird zunächst eine Baugrube ausgehoben. Dazu müssen alle Gebäude auf der Trasse abgebrochen und alle Bäume gerodet werden. Grundeigentümern droht die Enteignung.

Der Tunnelbau erfolgt in der offenen Grube mit dem Bau von Bodenplatte und Wänden. Die Trasse ist über die ganze Bauzeit nicht passierbar. Anwohner sind Lärm und Staub ausgesetzt.

Erst am Ende der Bauzeit wird die Grube verfüllt. Auf dem Deckel können weitere Straßen gebaut werden, unmittelbar daneben auch Gebäude. Landwirtschaft ist prinzipiell möglich, eine Renaturierung aber zumindest fraglich.

Diese Bauweise ist bei der gedeckelten kurzen Ostumfahrung vorgesehen (Ost-Tunnel).

Die offene Bauweise ist billig aber mit hohem Flächenverbrauch und starken Beeinträchtigungen während der Bauzeit verbunden.

Deckelbauweise mit Bohrpfahlwänden

Bei der echten Deckelbauweise werden an den Seiten zunächst Bohrpfähle in den Boden getrieben und so die Seitenwände erstellt. Über diese Wände wird der Deckel betoniert, der dann bereits wieder befahren werden kann.

Erst danach wird unter dem Deckel im Untergrund vom Portal her der Tunnel ausgehoben.

Diese Methode eignet sich zum Untertunneln bestehender Straßen. Sie ist günstiger als ein bergmännischer Tunnel und flächensparend im Vergleich zu einer Umfahrung. Enteignungen sind nicht notwendig. Eine Sperrung ist nur während des Betonierens der Bohrpfahlwände erforderlich und die Oberfläche kann neu (verkehrsberuhigt) gestaltet werden.

Die Deckelbauweise wurde für eine B2 Unterfahrung vorgeschlagen, vom Staatlichen Bauamt aber verworfen, ohne dass die Variante gleichberechtigt untersucht wurde. In dieser Weise wurde z.B. der Luise-Kisselbach-Platz in München untertunnelt.

Die Deckelbauweise unter der B2 wäre im Vergleich zu anderen Varianten mit geringeren Beeinträchtigungen für Mensch und Natur verbunden aber keine Umfahrungs- oder Tunnelvariante kann Weilheim wirkungsvoll vom Verkehr entlasten.

Pressestimmen zur Deckelbauweise (mit Bohrpfählen):

https://www.merkur.de/lokales/weilheim/weilheim-ort29677/idee-fuer-kurztunnel-unter-b2-in-weilheim-kommt-von-ingenieur-gerd-berchtold-11837598.html


Erfreulicherweise wird die technische Machbarkeit einer Unterfahrung in Deckelbauweise vom Staatlichen Bauamt inzwischen nicht mehr bestritten. Es wird lediglich mit einer emotionalen Schilderung überdimensinierter Rampen und Umleitungen Angst bei den Bürgern erzeugt:
https://www.merkur.de/lokales/weilheim/weilheim-ort29677/erneute-absage-an-kurztunnel-in-weilheim-darum-sagt-staatliche-bauamt-nein-12329711.html