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Falsche Zahlen beim Staatlichen Bauamt!

Wir weisen mit einem offenen Brief auf falsche Entlastungszahlen hin

Die Bürgerbefragung zur Umfahrung läuft seit letzter Woche. Obwohl ganz Weilheim über Verkehrsbelastung, Lärm und Möglichkeiten der Entlastung diskutiert, wird dieses Thema in den Unterlagen ausgespart. Wer hierzu Informationen sucht, wird über einen QR-Code auf die Projektseite des Staatlichen Bauamts geleitet. Dort sind an zentraler Stelle Prozentangaben der „Entlastung in Weilheim gegenüber 2017“ für vier Straßen aufgeführt. Aber diese Werte lassen sich aus dem Verkehrsgutachten (Prof. Dr.-Ing. Kurzak, 2018) nicht ableiten. Sie sind zu hoch. Sie sind falsch!

Wir haben nachgerechnet und unsere Ergebnisse an Bürgermeister, Stadtrat und Presse geschickt.

In unseren Diagrammen ist die prozentuale Verkehrsänderung gegenüber 2017 über die Straßenabschnitte aufgetragen, eine Entlastung nach unten (negative Werte), eine Mehrbelastung nach oben (positive Werte). Der Wert von der Website des Staatlichen ist als orange Gerade dargestellt. Die Balken zeigen die Varianten mit maximaler und minimaler Entlastung bzw. Mehrbelastung, um die Streubreite zu verdeutlichen.

Man erkennt: Die Entlastung / Mehrbelastung ändert sich von Straßenabschnitt zu Straßenabschnitt und von Variante zu Variante. Die Werte des Staatlichen Bauamts werden aber nirgends erreicht!

Lesen Sie unseren Offenen Brief hier:

Hier finden Sie den Tabellenanhang mit den Zahlen und Quellen.

So kann man kein aussagekräftiges Meinungsbild der Bürger erhalten. Eine Bürgerbefragung, die auf solch falschen Zahlen beruht, muss abgebrochen und nach einem ausführlichen, korrekten und fairen Informationsprozess wiederholt werden!

Bürgerbefragung zweiter Anlauf

Der Weilheimer Stadtrat hat am 30. Juni beschlossen, Mitte September einen neuen Versuch der 2020 gescheiterten Bürgerbefragung zu wagen. Die Sitzung verlief turbulent, Abstimmungen wurden nach Patt-Situationen wiederholt, gefasste Beschlüsse gleich wieder aufgehoben. Es holpert gewaltig im Verfahren – Aber nicht nur das…

Warum die geplante Bürgerbefragung das Meinungsbild der Bevölkerung nicht darstellen kann

1. Mit einer statistischen Trickserei soll Zustimmung vorgegaukelt werden

Gemäß der Stadtratsentscheidung vom 30. Juni 2022 darf sich, wer sich in Frage 1 gegen eine Umfahrung (und für die Mobilitätswende) ausspricht, an der Variantenentscheidung (Frage 2) nicht mehr beteiligen. Absurderweise darf, wer ÖPNV und Radverkehr befürwortet, einer Umfahrung vor der eigenen Haustür dann nicht mehr widersprechen. Wer Lärmbelastung und Wertverlust der eigenen Immobilie fürchtet, wird stark versucht sein, genau dieses den Mitbürgern auf der anderen Seite der Stadt zuzumuten. Dieses Fragendesign entspricht dem klassischen „Gefangenendilemma“ aus der Spieltheorie (Wirtschaftsmathematik). Wissenschaftlich ist daher vorhersagbar, dass die überwiegende Mehrheit bei Frage 1 „Ja“ ankreuzen wird, selbst wenn sie eine Umfahrung prinzipiell ablehnt.

2. Missverhältnis der Ost- und Westvarianten und unklare Auswertung

Die West-Varianten wurden auf zwei reduziert. Dem stehen mittlerweise sechs Ost-Untervarianten gegenüber, die sich durch Zusätze bezüglich Tunnellänge oder Einhausungen unterscheiden. Zur Beschreibung der Westvarianten genügen 32 Zeichen, gegenüber 207 für die Ostvarianten, mehr als das sechsfache! Es ist kaum glaubhaft, dass all diese Untervarianten ernsthaft verfolgt werden. Rein optisch wird das Auge so zu dem massiven Block auf der rechten Seite hinüber gezogen. Dazu kommt, dass bei den zahlreichen Tunnel- und Einhausungs-Optionen vermutlich viele den Überblick verlieren. Da sich die Ost-Stimmen auf sechs Varianten verteilen, ist es aber denkbar, dass eine Westvariante die meisten Stimmen bekommen könnte. Gilt dann das Votum für diese Westvariante oder sollen die Stimmen der Ostvarianten addiert werden?

3. Mangelhafte Informationen

Seit der Informationskampagne des Staatlichen Bauamts ist der „Zentrumstunnel“ durch die „Ostumgehung ortsnah – mit langem Tunnel“ ersetzt worden. Nun soll abgestimmt werden, ohne dass Informationen über Länge und Lage der Tunnelabschnitte und die Ausführung der Anbindungen vorliegen würden. Es ist völlig unklar, wie diese Variante im Bereich des neuen Autohauses realisierbar wäre. StadträtInnen behaupten sogar öffentlich, die Deutenhausener Straße würde gar nicht angebunden. Vor der Abstimmung muss die Bevölkerung auch über diese Variante detailliert und transparent informiert werden. Außerdem werden seit Jahren völlig überzogene Erwartungen bezüglich der Verkehrsentlastung durch eine Umfahrung geweckt und die Folgen für die Natur und Naherholungsgebiete verharmlost.

Fazit:

Sollte die Befragung so wie geplant durchgeführt werden, wird Frage 1 kein aussagekräftiges Meinungsbild ergeben und könnte genauso gut weggelassen werden. Oder wird hier bewusst in die statistische Trickkiste gegriffen um den Straßenbau zu legitimieren? Über die Interpretation der Ergebnisse von Frage 2 werden Ost- und West-Befürworter wahrscheinlich trefflich streiten können. Oder ist diese Uneindeutigkeit im Ergebnis gewollt, um bei der Planung nicht durch den Bürgerwillen eingeschränkt zu werden? Und letztlich könnten viele Bürger beim Ost-Tunnel für ein Luftschloss stimmen, das angesichts der finanzierbaren baulichen Realität früher oder später platzen wird.

Unsere Stadträtinnen und Stadträte täten gut daran, uns Bürger ernst zu nehmen und diese Punkte noch einmal zu überdenken, bevor auch der zweite Anlauf der Befragung zu einem „Weilheimer Stückl“ wird.

Natürlich haben wir unsere Stadträte auf diese Stolpersteine und Fallgruben, die den „steinigen Weg zur Bürgerbefragung“ säumen, in einem weiteren offenen Brief hingewiesen. Die Presseberichterstattung finden Sie hier:

https://www.merkur.de/lokales/weilheim/weilheim-ort29677/umfahrung-weilheim-der-steinige-weg-zur-buergerbefragung-umgehungsstrasse-stadtrat-staatliches-bauamt-91642744.html

https://www.merkur.de/lokales/weilheim/kreisbote/umfahrung-weilheim-stadtrat-spricht-ausfuehrlich-ueber-buergerbefragung-91649207.html

https://www.merkur.de/lokales/weilheim/weilheim-ort29677/umfahrung-weilheim-buergerinitiativen-monieren-statistische-trickserei-bei-geplanter-buergerbefragung-91663256.html

Etwa so wird die Befragungskarte aussehen:

Menschen brauchen transparente Informationen, um sinnvoll zu entscheiden!

Update: Die Bürgerbefragung wurde am 13. Februar (gegen die Stimmen von BfW und Ingo Remesch, SPD) durch den Stadtrat gestoppt. Bürgermeister Loth behauptet, den fehlerhaften Flyer vor dem Versand nicht angesehen zu haben, obwohl er aus dem Rathaus verschickt wurde. Die fehlerhafte und manipulative Befragung hat dem Steuerzahler bis zu ihrem Abbruch bereits Kosten im fünfstelligen Bereich verursacht. Es ist zu hoffen, dass der neu zu wählende Stadtrat sich für eine transparente Information der Bürger engagiert einsetz

Der transparente Vergleich der Darstellung aus dem Faltblatt des Staatlichen Bauamts mit einer (fast*) aktuellen Karte zeigt: Die Umfahrung Weilheim wird mit veralteten Daten geplant. Wohngebiete wie Am Obstgarten, Merowinger Straße, Hardtfeld 1 & 2, Adolph-Kolping-Straße, Prälatenweg und einige mehr fehlen in der „Information“ des Bauamts (rote Pfeile). Auch bei der Lärmauswirkung wurden ganze Baugebiete außer Acht gelassen. Lage und Länge von Tunneln und Einhausungen sind aus dem Faltblatt praktisch nicht ersichtlich. Unsere Darstellung zeigt: Alle Umfahrungsvarianten weitgehend oberirdisch und viel zu nah an Wohnbebauung! Und das sind nur die gravierendsten Mängel.


Diese Stellungsnahme haben wir in einem offenen Brief an Bürgermeister und Stadtrat geschickt:


Das berichtet das Weilheimer Tagblatt.


Wir fordern die Stadt Weilheim auf, die Befragung zu stoppen und für eine unabhängige, umfassende, neutrale Information der Bürger zu sorgen, bevor der Entscheidungs- und Planungsprozess fortgeführt wird. Die Beteiligung des Staatlichen Bauamts (als Interessenvertreter) und des Büros „Cima“, das bereits für die manipulative Befragung zur Erweiterung der Fußgängerzone verantwortlich war, lehnen wir ab.

*) Das neue Gewerbegebiet Achalaich fehlt auch bei www.openstreetmap.de

Jetzt sind wir alle gefragt!

Die Stadt Weilheim führt jetzt eine (unverbindliche) Befragung zu den Umfahrungsvarianten durch. In der KW 6 werden Karten an alle Wahlbrechtigten über 16 Jahren verschickt. Dem Schreiben ist eine Broschüre von lediglich einer Interessengruppe beigelegt, dem Staatlichen Bauamt, das eine Umfahrungs-Autobahn bauen will, und zwar so billig wie möglich!
Wir wurden bei der Formulierung der Fragen (entgegen früherer Aussagen) nicht einbezogen und durften auch keine ergänzende Information beilegen. Deshalb verteilen wir unseren Flyer jetzt selbst an alle Haushalte. Bitte informieren Sie sich genau. Die genauen Trassenverläufe finden Sie hier: https://www.stbawm.bayern.de/mam/strassenbau/projekte/B17S.ABBA0009.00/lageplaene_voruntersuchung.pdf
Stimmen Sie mit uns gegen eine Umfahrung! Denn ein „Nein“ zu einer BeEntlastungsstraße ist ein „Ja“ zu zukunftsfähigen Mobilitätskonzepten! Und ein „Nein“ zu allen oberirdischen Varianten ist ein „Ja“ zur Bewahrung unserer Natur- und Naherholungsgebiete!

Für alle, die unseren Flyer noch nicht bekommen haben oder ihn weiter verbreiten möchten ist er hier als pdf zum Download.

Petition zum Ausbau der Bahn

Wir diskutieren über eine Umfahrung, die Kosten im zwei bis dreistelligen Millionenbereich (und massive Umweltzerstörung) bedeutet, um Autopendlern eine Zeitersparnis im einstelligen Minutenbereich zu bringen. Wieviele Bahnpendler verbringen jede Woche Stunden auf zugigen Bahnsteigen und in verspäteten, überfüllten Zügen? Hier muss investiert werden! Die Petition von PRO BAHN konnte 3.154 Unterschriften erreichen:
https://www.openpetition.de/petition/online/fuer-eine-bessere-bahn-im-werdenfels-und-pfaffenwinkel

Zerstörungswut statt Argumente

In der Nacht vor unserer Radeldemo sind zwei Banner und ein paar Schilder zerstört worden, die zwischen Weilheim und Deutenhausen auf die geplante Umfahrung hingewiesen haben. Das eine war erst am Vortag von der Bürgerinitiative Marnbach / Deutenhausen aufgestellt worden. Weil der Sachschaden beträchtlich ist, haben wir Anzeige erstattet. Wir würden uns sehr über einen respektvollen Umgang mit uns, unserer Meinung und unserem Eigentum freuen. Wir sind sehr betroffen, dass wir Opfer von Sachbeschädigung werden, wenn wir eine friedliche Demonstration für umweltfreundliche Mobilität anmelden.

Rettet die Bienen! Danke!!!

Uns liegt die Natur nicht nur rund um Weilheim, sondern in ganz Bayern am Herzen. Die Bestände von Insekten, Vögeln und Wildblumen schwinden dramatisch, Flächenfraß ist dafür nur eine der Ursachen. Deshalb haben wir das Volksbegehren für die Artenvielfalt als lokaler Bündnispartner unterstützt. Fast 1,8 Millionen Menschen haben bayernweit für das Volksbegehren unterschrieben. In Weilheim waren es sogar 27 % der Wahlberechtigten, die dieses Volksbegehren zum erfolgreichsten aller Zeiten gemacht haben. Ein herzliches Dankeschön an alle die mitgemacht haben!