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Der Lärm bleibt

Wie stark kann Weilheim durch den Bau einer Umfahrung denn überhaupt vom Verkehrslärm entlastet werden? Welche Alternativen gibt es? Und können wir auf Ruhe hoffen, wenn immer mehr Autos durch Weilheim fahren?

Wir haben verschiedene Szenarien berechnet. Und zwar für die Hauptverkehrsstraßen, wo es am lautesten und wo der Anteil des Durchgangsverkehrs am höchsten ist. Folgende Varianten haben wir untersucht:

  • 2017: Der Ist-Zustand zum Zeitpunkt der Verkehrszählung
  • 2035: Die Prognose der Verkehrsentwicklung laut Gutachten
  • 2035 Ost: Prognose mit Ostumfahrung
  • 2035 West: Prognose mit Westumfahrung
  • 2035 Tempo 30: Verkehrslärm ohne Baumaßnahme aber mit Tempolimit

Bei allen Beispielen kann ein Tempolimit auf 30 km/h genauso effektiv oder sogar noch effektiver als eine Umfahrung den Lärm reduzieren. Und das quasi kostenlos, ohne aufwendige Planungs- und Bauphasen, ohne Naturzerstörung und ohne Anwohner an anderer Stelle mit neuem Lärm zu belasten.

Aber auch mit einem Tempolimit wird es auf den Durchgangsstraßen nicht so leise wie in einem ruhigen Wohngebiet:

Vergleich Durchgangsstraße / Wohngebiet bei Tempo 30

Fazit:

An keiner Haupt-Durchgangsstraße kann durch den Bau einer Umfahrung, egal welcher, auf eine Lärmentlastung gehofft werden, die effektiver ist als ein Tempolimit auf 30 km/h. Allerdings kann weder durch eine Umfahrung noch durch ein Tempolimit ein Lärmniveau wie in einer ruhigen Wohnstraße erreicht werden. Um den Lärm weiter zu reduzieren, muss die Verkehrsbelastung gesenkt werden, das heißt, es müssen Möglichkeiten und Anreize geschaffen werden, auf Fahrrad, Bus und Bahn oder die eigenen Füße umzusteigen.

Der Bau einer Umfahrung ist ein Eingriff, der nicht rückgängig gemacht werden kann. Es droht nicht nur eine immense Naturzerstörung und der Verlust wichtiger Naherholungsgebiete, eine Umfahrung wird auch zusätzlichen Verkehr in unsere Region ziehen und an anderer Stelle Anwohner mit Lärm belasten. All diesen nicht monetären Kosten steht ein vernachlässigbarer Nutzen gegenüber, das sollte uns klar sein!

Tempo 30:

Ein Tempolimit auf 30 km/h in Städten kann nicht nur den Lärm reduzieren, sondern auch die Verkehrssicherheit erhöhen und den Verkehrsfluss verbessern. Ist das wirklich undenkbar? Nein, denn viele Städte machen es bereits vor, auch auf Durchgangs- und Bundesstraßen:

B31-Freiburg: Ganztags Tempo 30 | baden.fm

Städte in Europa – VCS Verkehrs-Club der Schweiz (verkehrsclub.ch)

Tempo 30 – Mehr Sicherheit durch Tempo 30 innerorts (vcd.org)

Tempo 30 in Städten (innerorts) | autozeitung.de

Neue Banner

Wir haben neue Banner aufgestellt. Einige unserer Banner waren immer wieder mutwillig stark beschädigt worden und mussten ersetzt werden. Auch gibt es inzwischen neue Varianten (Ost-Tunnel), verworfene Varianten (alle innerstädtischen Tunnel) und allgemein neue Erkenntnisse: Beispielsweise kann, laut Verkehrsgutachten, Weilheim durch eine Umfahrung nicht wirkungsvoll vom Verkehr entlastet werden.

Außerdem stehen inzwischen drei Infotafeln in Weilheims Naherholungsgebieten, die wir gemeinsam mit der „Schutzgemeinschaft Gögerl und Weilheimer Osten“ und mit der Bürgerinitiative Marnbach / Deutenhausen mit aktuellen Informationen bestücken.

Ab sofort sind unsere neuen Banner auch im Format 1 x 3 m erhältlich, zum Selbstkostenpreis für den eigenen Balkon oder Gartenzaun. Zeigen Sie Flagge!

Stadtratssitzung, 28. Juli 2021

Ost-Tunnel, Bürgerbefragung und neue Westvariante

Kurz vor der Sommerpause kam die Umfahrung noch einmal auf die Tagesordnung:

Besonders ausführlich wurde die neue Variante „Ost-Tunnel“ behandelt. Ist diese wirklich so umweltfreundlich? Tatsächlich lässt sich aus dem Flächenverbrauch von 6,8 ha (im Vergleich zu 13,4 ha der ortsnahen Ostvariante) schließen, dass die Hälfte des Bauwerks oberirdisch gebaut werden soll. Herr Lenker vom Staatlichen Bauamt wies außerdem darauf hin, „Wo die Tunnelportale zu liegen kommen, entscheidet sich im Planfeststellungsverfahren“, also erst nach der Trassenentscheidung. Der Tunnel könnte also noch kürzer ausfallen.

Alle 300 Meter braucht so ein Tunnel einen Rettungsschacht. Dieser könnte an der Oberfläche zwar als Stadl getarnt werden, muss aber von der Feuerwehr schnell angefahren werden können. Dafür sei ein Radweg oder eine Erschließungsstraße im Trassenverlauf „ideal“. Es ist zu befürchten, dass entlang der Trasse neue Bau und Gewerbegebiete erschlossen werden, statt die Naherholungsgebiete wieder herzustellen.

Die Bauzeit würde, laut Lenker, 1-2 Jahre betragen, was kaum realistisch erscheint: Die Umfahrung Hohenpeißenberg hatte eine Bauzeit von 8 Jahren und allein die Berufsschule wird seit 3 Jahren gebaut, der Radweg neben der Baustelle ist bereits ebenso lang gesperrt.

Weitere Nachteile sind:

  • Betriebskosten von 1,88 Mio € / Jahr
  • Die Abluft, die konzentriert durch die Tunnelportale ins Freie geblasen wird

Generell wird keine der Umfahrungsvarianten Weilheims Verkehrsprobleme lösen oder die Anwohner vom Straßenlärm entlasten können. Der massive Ausbau der B2 würde dagegen die Vormachtstellung des Autos, mit allen Nachteilen, auf Jahrzehnte festbetonieren.

Wir wissen längst, dass der unverminderte (und im Verkehrssektor sogar steigende) CO2-Ausstoß den Klimawandel immer weiter anheizt. Das Risiko für Katastrophen wie Dürre, Überschwemmungen und Orkane ist bereits um das Vierfache erhöht. Katastrophen, wie die verheerenden Überschwemmungen und Starkregenfälle der zurückliegenden Tage, an deren Opfer zu Beginn der Sitzung mit einer Schweigeminute erinnert wurde.

Das Staatliche Bauamt hinterfragt laut Lenker aber den „Sinn oder Unsinn der Planungen“ nicht, würde aber „nicht gegen den Willen der Stadt bauen“. Auch kann der Bundestag den Bundesverkehrswegeplan ändern. Die Stadträte haben jedenfalls einstimmig für die Wiederholung der Bürgerbefragung gestimmt. Es bleibt zu hoffen, dass sie diesmal für eine inhaltlich richtige und ausgewogene Information der Bürger im Vorfeld sorgen.

Infoflyer

Neuer Flyer mit Infos zur gedeckelten Ostumfahrung

Präsentation des Flyers beim Ortstermin auf der Trasse der ortsnahen Ostumfahrung

Das Foto zeigt Vertreter unserer Bürgerinitiativen gegen eine Umfahrung beim Ortstermin. An dieser ohnehin engen Stelle zwischen Baumarkt und Wohnbebauung soll auf der Trasse der ortsnahen Ostumfahrung ein Autohaus entstehen. Dadurch ist sogar die Realisierbarkeit dieser Variante unklar.

Der mögliche Bau einer Umfahrung würde unsere Stadt für immer verändern. Für eine sinnvolle Entscheidung ist es wichtig, die Fakten zu kennen und alle Argumente zu bedenken.

Vor allem ist die im Gutachten des Staatlichen Bauamts prognostizierte Entlastung der Stadt kaum merklich: 0,29 % weniger Autos pro Tag als 2017. Dagegen würde ein Tunnel im Osten gravierendere Auswirkungen während der Bauphase bedeuten, als ein B2-Tunnel oder gar ein bergmännischer Tunnel. Es müssten Gebäude abgerissen, Bäume gefällt, Sportanlagen aufgegeben und Grundeigentümer enteignet werden.

Die oberirdischen Anbindungen befinden sich in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung und Schulen. Aufgrund des Autohaus-Neubaus auf der Trasse ist auch die Machbarkeit auch etwas unklar.

Mit den Umfahrungen Weilheim und Murnau würde eine neue Nord-Süd-Achse geschaffen, ein Bypass zur A95, der viel überregionalen Verkehr nach Weilheim verlagern könnte. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und des Artensterbens ist der geplante massive Ausbau von Fernstraßen ohnehin fragwürdig. Immer mehr Umweltorganisationen und ein Bündnis von Bürgerinitiativen fordern deshalb ein Moratorium des gesamten Bundesverkehrswegeplans und eine Überprüfung nach Klimaschutzgesichtspunkten.

Der Flyer wird in den nächsten Tagen im Weilheimer Stadtgebiet verteilt. Außerdem kann er hier als PDF heruntergeladen werden:

Offener Brief:

Auswirkungen der Leistungssteigerungen der B2 und der B23

„Leistungssteigerung“ klingt zunächst einmal positiv, kann aber, wenn sie zu weit getrieben wird, auch zu Kollaps und Zusammenbruch führen. Darauf haben wir die politischen Vertreter der Gemeinden im Oberland in einem offenen Brief hingewiesen:

Sehr geehrter Herr Landrat Anton Speer, sehr geehrte Kreisräte, sehr geehrte Wahlkreiskandidatinnen und Kandidaten, sehr geehrte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, sehr geehrte Redakteurinnen und Redakteure, sehr geehrte Damen und Herren,

die kompletten Leistungssteigerungen der B2 und der B23 führen voraussichtlich zu einer massiven Verkehrskatastrophe im Kankerbachtal, im oberen Isartal und im Loisachtal, die bis in die anliegenden Regionen reichen wird (siehe „20210525_Brenner2.0“), einschließlich der dadurch entstehenden Beeinträchtigungen des Wohnumfeldes, des Erholungswertes und des Naturraumes durch Überbeanspruchung.

Eine so genannte „Entlastung“ einzelner Orte wird sich nur auf kurze Zeit einstellen und ist kein primäres Ziel der Verkehrswegeplanung.

Die Leistungsfähigkeit der B2 von etwa 19500 Kfz/tägl. zwischen Eschenlohe und Oberau wird auf das Vierfache erhöht (vierspurig und ohne Ampeln Oberau), die der B23 auf das Dreifache, bei derzeit gut 7000 Kfz/tägl. zwischen Ettal und Oberau. Zum Vergleich: die zweispurige B2 nördlich von Weilheim i.OB bewältigt ca. 21000 Kfz/tägl., die vierspurige B17 bei Augsburg über 76000 Kfz/tägl.. Die A8 und Augsburg sind dann über die B17 und B23 bequem per Kfz an das Loisachtal angebunden. Die Ertüchtigung der B2 im Norden Weilheims, die Umfahrungen von Weilheim i.OB und Murnau sorgen für weiteren Verkehr.

Die max. Leistungsfähigkeit bei 80 km/h mit zwei Fahrspuren in eine Richtung und Einhaltung eines Abstandes von einem „halben Tacho“ ist etwa 3500 Kfz/h. Da bei hohem Verkehrsaufkommen der Abstand zumeist geringer ist und etwa zwei Drittel des „halben Tachos“ beträgt, liegt der Kfz-Durchsatz sogar bei über 5000 Kfz/h – dass wäre eine Verfünffachung gegenüber bisher. Verzögerungen durch Abbiege-/Einschleifverkehr in Kaltenbrunn/Grainau würden sich in 25 Minuten an den Nordportalen der beiden Garmisch-Partenkirchner Tunnel bemerkbar machen, der verminderte Kfz-Abfluss über den Zirler Berg und Fernpass nach 2 1/2 Stunden, in Eschenlohe/Ettal etwa 45 Minuten später. Ein massiver Umfahrungsverkehr über die Ortsdurchfahrten und Nebenstraßen ist vorprogrammiert, der sich auch auf die nördlich gelegenen Regionen auswirken wird.

Durch den Straßenbau wird der motorisierte Individualverkehr (MIV) gefördert, was zu weiterem Reifenabrieb (ca. 30% des Microplastiks in den Meeren ist Reifenabrieb), Lärm und zumindest in nächster Zeit zu mehr CO2-Ausstoß führen wird. Zudem führt der Straßenbau oft zu Durchschneidungen von landwirtschaftlichen Flächen, von bisher wenig oder kaum belasteten Bereichen und ggf. zu Totalverlusten von naturnahen Flächen (Zerstückelung).

Aufgrund der annähernd 100%’igen Kfz-Verfügbarkeit und durch die Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Straßen, ist eine Verkehrsverlagerung durch diese Reihe von Einzelbaumaßnahmen vom ÖPNV auf den MIV vorherzusehen.

Allein für die Abschnitte Starnberg bis Grainau/Kaltenbrunn sind in Summe mindesten 1,1 Milliarden Euro veranschlagt. Eine Kostensteigerung nur für das Projekt Auerbergtunnel von ca. 110 Millionen Euro auf 170 Millionen Euro scheint kein großes Problem darzustellen.

Dagegen, wenn es um den teilweisen 2-gleisigen Ausbau der Werdenfelsbahn zwischen Tutzing und Murnau geht, sind 214 Millionen Euro zu viel, zu teuer und zu kompliziert (Aussage der Bayerischen Eisenbahngesellschaft zur Petition von „Pro Bahn“ Weilheim i.OB, 12.2019). Ebenso hat das Geld für die längere Überdachung oder einen besseren Wetterschutz weiterer Bahnsteige in Weilheim i.OB und anderen Bahnhöfen nicht gereicht.

Die wohnungsnahen Erholungsgebiete werden mittels Straßenbau und Ortsumfahrungen eliminiert, was weiteren Straßenverkehr mit sich bringt. Auf die dann, u.a. durch den Straßenbau dezimierten, unverlärmten Naturlandschaften konzentrieren sich die Erholungs- und Ausgleichsuchenden Menschen, was zu einer Überbeanspruchung und zu zusätzlichen Schädigungen führt.

Ein Teufelskreis, dem ein Ende bereitet werden muss.

Um der Umwelt, dem Klima, dem Lebensraum der Menschen, Tiere, Pflanzen und der Gesundheit aller, entsprechendes Gewicht zuzugestehen, sind die Priorisierungen und Prüfungen zu den Verkehrswegeplänen (z.B. BVWP 2030, Methodenhandbuch) entsprechend zu ändern und der Staats- und Fernstraßenaus- und -neubau umgehend zu stoppen.

Mit freundlichen Grüßen,

Karin Knöthig, Weilheim i. OB, BI Heimat 2030

Stefan Schwaller, Weilheim i. OB, BI Heimat 2030

Liste der Adressaten:

  • An das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen
  • An die Bürgermeister und Gemeinden Mittenwald, Krün, Wallgau, Grainau, Garmisch-Partenkirchen, Farchant, Oberau, Eschenlohe, Ohlstadt, Schwaigen, Oberammergau, Unterammergau, Saulgrub, Bad Kohlgrub, Murnau und die Vertreter der politischen Parteien in diesen Orten
  • An den Bund Naturschutz (BN) Bayern, den Landesbund für Vogelschutz (LBV) Bayern, den Fahrgastverband Pro Bahn und den Deutschen Alpenverein (DAV)
  • An die Direkt-Kandidaten der Parteien für die Bundestagswahl 2021
  • An die zuständigen Medien

Tunnel ist nicht gleich Tunnel

Das Staatliche Bauamt hat als eine neue Variante der geplanten Weilheimer Umfahrung eine gedeckelte ortsnahe Ostumfahrung ins Spiel gebracht und gleichzeitig jeglichen Tunnel unter der Stadt ausgeschlossen:

https://www.merkur.de/lokales/weilheim/weilheim-ort29677/umfahrung-weilheim-komplett-tunnel-im-weilheimer-osten-90479921.html

In der (ausführlicheren) Printversion des Berichts ist von einem „Paukenschlag“ die Rede. Ein solcher läutet (wenn man die Analogie zur Filmmusik aufgreifen möchte) aber kein Happy End ein, sondern rüttelt auf, während der Konflikt sich zuspitzt. Das Bild beschreibt unsere Einschätzung der neuen Variantenauswahl recht treffend. Wir haben das Für und Wider in einer Tabelle zusammen gefasst:

Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass die Optionen in den beiden rechten Spalten, die in den Aspekten des Umweltschutzes und der Lebensqualität am besten abschneiden, vom Staatlichen Bauamt jetzt ausgeschlossen werden.

Das Bundesverfassungsgericht hat zeitgleich, am 29.04.21, die Klimaschutzbemühungen der Bundesregierung für unzureichend und ungerecht gegenüber der jüngeren Generation erklärt. Wollen wir unseren Kindern wirklich eine Umfahrungsautobahn und ein marodes Schienennetz hinterlassen?

Die Bauphase einer Umfahrung ist immer belastend. Im Gegensatz zum B2 Tunnel würde ein Ost-Tunnel aber in offener Bauweise entstehen. Die Baustelle wäre über Jahre kaum zu queren, die Anwohner stark mit Staub und Lärm belastet. Kleingärten und Sportanlagen stehen im Weg, der Gögerl-Biergarten (auf dessen Wiedereröffnung wir sehnlichst warten) liegt direkt daneben. Bis zur Fertigstellung dauert es Jahrzehnte.

Es ist überdies unklar, wie Weilheims Osten dann aussehen würde: Bebauung sei bis an den Tunnelrand möglich, Erschließungsstraßen auch auf dem Deckel, weitere Ausfahrten seien prinzipiell machbar. Jede Umfahrung, auch eine gedeckelte, ist ein Türöffner für weitere Bebauung, auch für weitere Gewerbegebiete. Es kann sein, dass wir unsere Naherholungsgebiete nicht wiederfinden, wenn der Baustaub sich gelegt hat. Und auch die gedeckelte Umfahrung würde an den Anschlussstellen über mehrere hundert Meter oberirdisch verlaufen und Anwohner mit Lärm und Abgasen eines erhöhten Verkehrsaufkommens belasten.

Aber selbst das Verkehrsgutachten des Staatlichen Bauamts prognostiziert keine merkliche Verkehrsentlastung der Stadt durch eine Umfahrung, egal welche!

Anmerkungen zu: „Der Nachfolger als Vorgänger“

Interview des Weilheimer Tagblattes (Sebastian Tauchnitz) mit dem ehemaligen Leiter Uwe Fritsch (bis 31.07.2020) und dem jetzigen Leiter Stefan Scheckinger (seit 01.09.2020) des Staatlichen Bauamtes Weilheim, veröffentlicht in der Ausgabe vom 12./13.09.2020.

In einem guten Drittel (7 von 19 Fragen) des Interviews geht es um die Ortsumfahrung Weilheim. Damit sind diese Planungen das heißeste und strittigste Projekt des Staatlichen Bauamts (StBA). Der Ausgang ist völlig offen. Deshalb und weil wir einige Aussagen nicht unkommentiert stehen lassen wollen, haben wir uns hier des Textes angenommen.

Auszug:

Fritsch: „… die Debatte über einen Tunnel in Weilheim ist realitätsfern.“Fritsch: „Zudem werden alle Varianten mehr oder weniger lange Tunnelabschnitte beein­halten.“ Greift Herr Fritsch hier dem Entscheidungspro­zess vor? Bisher sind in der Auswahl offiziell noch zwei Varianten ohne Tunnelabschnitte enthalten, so­wie ein bergmännischer Tunnel unter der Stadt.
Alle Kommentare zum Interview finden Sie hier:

Können Sie sich DAS vorstellen?

Weilheim besitzt in unmittelbarer Stadtnähe Natur- und Erholungsflächen von unschätzbarem Wert. Magerwiesen, Trockenrasen, Feuchtbiotope und Auwälder bieten einer großen Artenvielfalt Lebensraum. Können Sie sich wirklich vorstellen, wie es wäre, wenn diese Naturschätze von einer autobahnähnlichen, meist dreispurigen Schnellstraße zerpflügt würden? Unsere Fotomontagen können ihnen einen groben Eindruck geben wie das aussehen könnte – aber Motorenlärm und Abgasgestank statt Vogelgezwitscher lässt sich durch ein Foto nicht vermitteln.
Nach dem Verkehrsgutachten (Kurzak, Verkehrsuntersuchung 2017) wird die Innenstadt durch eine Umfahrung nicht nennenswert entlastet. Auf einigen Straßen würde der Verkehr sogar zunehmen.

Ortstermin mit Anton Hofreiter

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, kam am 6. März 2020 auf Einladung des Grünen Ortsverbands nach Weilheim. Dabei bekamen wir (Vertreter von Bund Naturschutz, LBV, Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos und BI Heimat 2030) Gelegenheit unsere Argumente gegen eine Umfahrung einem Bundespolitiker vor Ort zu schildern. Herr Hofreiter zeigte sich als Biologe sehr kundig und interessiert an Ökologie und Artenreichtum des Weilheimer Mooses. Als ehemaliger Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung erwies er sich auch für unsere Initiative als kompetenter Ansprechpartner und Kenner des Planungsprozesses, der uns wertvolle Tipps für unsere weitere Arbeit geben konnte. Bei einem weiteren Stopp am Gögerl nutzten auch Vertreter der Bürgerinitiative Marnbach-Deutenhausen, der Schutzgemeinschaft Gögerl & Weilheimer Osten und eine Landwirtin die Gelegenheit, mit dem Abgeordneten über den drohenden Flächenverlust für die Landwirtschaft, die Verkehrszunahme durch Straßenbau und die drohende Verlärmung von Wohngebieten zu sprechen.
Diese Erklärung haben wir Anton Hofreiter und den Mitgliedern des Grünen Ortsverbands überreicht:

Es wird laut!

So mancher Spaziergänger schüttelt derzeit ungläubig den Kopf. Die Bürgerinitiative Marnbach Deutenhausen hat die Trassen der Ostumfahrungsvarianten im Gelände markiert. Dadurch wird deutlich, wie massiv die Beeinträchtigung von Wohn- und Naherholungsgebieten durch eine Umfahrung, egal welche, sein wird.

Die Luftaufnahme (Panorama mit pespektivischer Verzerrung) zeigt dabei eindrucksvoll, wie unser Weilheimer Juwel, der Dietlhofer See (rechts), sowohl von einer Ost- wie auch von einer kurzen Westumfahrung von der Stadt abgeschnitten und verlärmt wird. Die Ostvarianten (gelb) schneiden den Rad- und Fußweg in der Verlängerung der Römerstraße, die Westumfahrung (rot) holt in einem weiten Bogen aus, um unter dem Neidhardt Gewerbegebiet in einen Tunnel zu münden. In beiden Fällen sind in dem Bereich außerdem ausladende Anbindebauwerke an die bestehende B2 geplant. Was jetzt ein Radlweg (im Vordergrund) im Grünen ist, könnte bald am Rand einer Schnellstraße liegen.
In einer Zeit, wo klamme Kommunen Schwierigkeiten haben ihre Schwimmbäder zu finanzieren, sollte eine Stadt sich glücklich schätzen ein gut erreichbares Kleinod wie den Dietlhofer See zu besitzen, statt dieses Gebiet leichtfertig für eine Umfahrungs-Autobahn zu opfern.

Wie rücksichtslos gegen die Anwohner das Staatliche Bauamt plant, zeigt die Luftaufnahme aus dem Nordosten. Zwischen Skaterplatz (links) und Narbonner Ring (Bildmitte) verlaufen alle Ostvarianten ebenerdig unmittelbar am Wohngebiet. Auch die Natur bleibt auf der Strecke: Die Trasse verläuft genau durch das gerade erneuerte Laubfrosch-Biotop. Alle untersuchten Umfahrungsvarianten im Osten, wie im Westen, verlaufen in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung, in wichtigen Naherholungs- und Naturgebieten und auf wertvollen landwirtschaftlichen Flächen. Die Verkehrsuntersuchungen zeigen aber, dass die Innenstadt durch eine Umfahrung nicht wirksam vom Verkehr entlastet werden wird.

Wir weisen immer wieder mit Schildern rund um Weilheim auf die bedrohte Ruhe hin. Mehr Straßen werden zu mehr Verkehrslärm führen – ganz Weilheim hat dabei viel zu verlieren.Informieren Sie sich. Setzen Sie sich für unsere Stadt ein. Sprechen Sie mit Ihren Nachbarn und unseren Stadträten.
Hier können Sie unsere Plakate als PDF herunterladen.