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Stadtratssitzung, 28. Juli 2021

Ost-Tunnel, Bürgerbefragung und neue Westvariante

Kurz vor der Sommerpause kam die Umfahrung noch einmal auf die Tagesordnung:

Besonders ausführlich wurde die neue Variante „Ost-Tunnel“ behandelt. Ist diese wirklich so umweltfreundlich? Tatsächlich lässt sich aus dem Flächenverbrauch von 6,8 ha (im Vergleich zu 13,4 ha der ortsnahen Ostvariante) schließen, dass die Hälfte des Bauwerks oberirdisch gebaut werden soll. Herr Lenker vom Staatlichen Bauamt wies außerdem darauf hin, „Wo die Tunnelportale zu liegen kommen, entscheidet sich im Planfeststellungsverfahren“, also erst nach der Trassenentscheidung. Der Tunnel könnte also noch kürzer ausfallen.

Alle 300 Meter braucht so ein Tunnel einen Rettungsschacht. Dieser könnte an der Oberfläche zwar als Stadl getarnt werden, muss aber von der Feuerwehr schnell angefahren werden können. Dafür sei ein Radweg oder eine Erschließungsstraße im Trassenverlauf „ideal“. Es ist zu befürchten, dass entlang der Trasse neue Bau und Gewerbegebiete erschlossen werden, statt die Naherholungsgebiete wieder herzustellen.

Die Bauzeit würde, laut Lenker, 1-2 Jahre betragen, was kaum realistisch erscheint: Die Umfahrung Hohenpeißenberg hatte eine Bauzeit von 8 Jahren und allein die Berufsschule wird seit 3 Jahren gebaut, der Radweg neben der Baustelle ist bereits ebenso lang gesperrt.

Weitere Nachteile sind:

  • Betriebskosten von 1,88 Mio € / Jahr
  • Die Abluft, die konzentriert durch die Tunnelportale ins Freie geblasen wird

Generell wird keine der Umfahrungsvarianten Weilheims Verkehrsprobleme lösen oder die Anwohner vom Straßenlärm entlasten können. Der massive Ausbau der B2 würde dagegen die Vormachtstellung des Autos, mit allen Nachteilen, auf Jahrzehnte festbetonieren.

Wir wissen längst, dass der unverminderte (und im Verkehrssektor sogar steigende) CO2-Ausstoß den Klimawandel immer weiter anheizt. Das Risiko für Katastrophen wie Dürre, Überschwemmungen und Orkane ist bereits um das Vierfache erhöht. Katastrophen, wie die verheerenden Überschwemmungen und Starkregenfälle der zurückliegenden Tage, an deren Opfer zu Beginn der Sitzung mit einer Schweigeminute erinnert wurde.

Das Staatliche Bauamt hinterfragt laut Lenker aber den „Sinn oder Unsinn der Planungen“ nicht, würde aber „nicht gegen den Willen der Stadt bauen“. Auch kann der Bundestag den Bundesverkehrswegeplan ändern. Die Stadträte haben jedenfalls einstimmig für die Wiederholung der Bürgerbefragung gestimmt. Es bleibt zu hoffen, dass sie diesmal für eine inhaltlich richtige und ausgewogene Information der Bürger im Vorfeld sorgen.

Infoflyer

Neuer Flyer mit Infos zur gedeckelten Ostumfahrung

Präsentation des Flyers beim Ortstermin auf der Trasse der ortsnahen Ostumfahrung

Das Foto zeigt Vertreter unserer Bürgerinitiativen gegen eine Umfahrung beim Ortstermin. An dieser ohnehin engen Stelle zwischen Baumarkt und Wohnbebauung soll auf der Trasse der ortsnahen Ostumfahrung ein Autohaus entstehen. Dadurch ist sogar die Realisierbarkeit dieser Variante unklar.

Der mögliche Bau einer Umfahrung würde unsere Stadt für immer verändern. Für eine sinnvolle Entscheidung ist es wichtig, die Fakten zu kennen und alle Argumente zu bedenken.

Vor allem ist die im Gutachten des Staatlichen Bauamts prognostizierte Entlastung der Stadt kaum merklich: 0,29 % weniger Autos pro Tag als 2017. Dagegen würde ein Tunnel im Osten gravierendere Auswirkungen während der Bauphase bedeuten, als ein B2-Tunnel oder gar ein bergmännischer Tunnel. Es müssten Gebäude abgerissen, Bäume gefällt, Sportanlagen aufgegeben und Grundeigentümer enteignet werden.

Die oberirdischen Anbindungen befinden sich in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung und Schulen. Aufgrund des Autohaus-Neubaus auf der Trasse ist auch die Machbarkeit auch etwas unklar.

Mit den Umfahrungen Weilheim und Murnau würde eine neue Nord-Süd-Achse geschaffen, ein Bypass zur A95, der viel überregionalen Verkehr nach Weilheim verlagern könnte. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und des Artensterbens ist der geplante massive Ausbau von Fernstraßen ohnehin fragwürdig. Immer mehr Umweltorganisationen und ein Bündnis von Bürgerinitiativen fordern deshalb ein Moratorium des gesamten Bundesverkehrswegeplans und eine Überprüfung nach Klimaschutzgesichtspunkten.

Der Flyer wird in den nächsten Tagen im Weilheimer Stadtgebiet verteilt. Außerdem kann er hier als PDF heruntergeladen werden:

Offener Brief:

Auswirkungen der Leistungssteigerungen der B2 und der B23

„Leistungssteigerung“ klingt zunächst einmal positiv, kann aber, wenn sie zu weit getrieben wird, auch zu Kollaps und Zusammenbruch führen. Darauf haben wir die politischen Vertreter der Gemeinden im Oberland in einem offenen Brief hingewiesen:

Sehr geehrter Herr Landrat Anton Speer, sehr geehrte Kreisräte, sehr geehrte Wahlkreiskandidatinnen und Kandidaten, sehr geehrte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, sehr geehrte Redakteurinnen und Redakteure, sehr geehrte Damen und Herren,

die kompletten Leistungssteigerungen der B2 und der B23 führen voraussichtlich zu einer massiven Verkehrskatastrophe im Kankerbachtal, im oberen Isartal und im Loisachtal, die bis in die anliegenden Regionen reichen wird (siehe „20210525_Brenner2.0“), einschließlich der dadurch entstehenden Beeinträchtigungen des Wohnumfeldes, des Erholungswertes und des Naturraumes durch Überbeanspruchung.

Eine so genannte „Entlastung“ einzelner Orte wird sich nur auf kurze Zeit einstellen und ist kein primäres Ziel der Verkehrswegeplanung.

Die Leistungsfähigkeit der B2 von etwa 19500 Kfz/tägl. zwischen Eschenlohe und Oberau wird auf das Vierfache erhöht (vierspurig und ohne Ampeln Oberau), die der B23 auf das Dreifache, bei derzeit gut 7000 Kfz/tägl. zwischen Ettal und Oberau. Zum Vergleich: die zweispurige B2 nördlich von Weilheim i.OB bewältigt ca. 21000 Kfz/tägl., die vierspurige B17 bei Augsburg über 76000 Kfz/tägl.. Die A8 und Augsburg sind dann über die B17 und B23 bequem per Kfz an das Loisachtal angebunden. Die Ertüchtigung der B2 im Norden Weilheims, die Umfahrungen von Weilheim i.OB und Murnau sorgen für weiteren Verkehr.

Die max. Leistungsfähigkeit bei 80 km/h mit zwei Fahrspuren in eine Richtung und Einhaltung eines Abstandes von einem „halben Tacho“ ist etwa 3500 Kfz/h. Da bei hohem Verkehrsaufkommen der Abstand zumeist geringer ist und etwa zwei Drittel des „halben Tachos“ beträgt, liegt der Kfz-Durchsatz sogar bei über 5000 Kfz/h – dass wäre eine Verfünffachung gegenüber bisher. Verzögerungen durch Abbiege-/Einschleifverkehr in Kaltenbrunn/Grainau würden sich in 25 Minuten an den Nordportalen der beiden Garmisch-Partenkirchner Tunnel bemerkbar machen, der verminderte Kfz-Abfluss über den Zirler Berg und Fernpass nach 2 1/2 Stunden, in Eschenlohe/Ettal etwa 45 Minuten später. Ein massiver Umfahrungsverkehr über die Ortsdurchfahrten und Nebenstraßen ist vorprogrammiert, der sich auch auf die nördlich gelegenen Regionen auswirken wird.

Durch den Straßenbau wird der motorisierte Individualverkehr (MIV) gefördert, was zu weiterem Reifenabrieb (ca. 30% des Microplastiks in den Meeren ist Reifenabrieb), Lärm und zumindest in nächster Zeit zu mehr CO2-Ausstoß führen wird. Zudem führt der Straßenbau oft zu Durchschneidungen von landwirtschaftlichen Flächen, von bisher wenig oder kaum belasteten Bereichen und ggf. zu Totalverlusten von naturnahen Flächen (Zerstückelung).

Aufgrund der annähernd 100%’igen Kfz-Verfügbarkeit und durch die Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Straßen, ist eine Verkehrsverlagerung durch diese Reihe von Einzelbaumaßnahmen vom ÖPNV auf den MIV vorherzusehen.

Allein für die Abschnitte Starnberg bis Grainau/Kaltenbrunn sind in Summe mindesten 1,1 Milliarden Euro veranschlagt. Eine Kostensteigerung nur für das Projekt Auerbergtunnel von ca. 110 Millionen Euro auf 170 Millionen Euro scheint kein großes Problem darzustellen.

Dagegen, wenn es um den teilweisen 2-gleisigen Ausbau der Werdenfelsbahn zwischen Tutzing und Murnau geht, sind 214 Millionen Euro zu viel, zu teuer und zu kompliziert (Aussage der Bayerischen Eisenbahngesellschaft zur Petition von „Pro Bahn“ Weilheim i.OB, 12.2019). Ebenso hat das Geld für die längere Überdachung oder einen besseren Wetterschutz weiterer Bahnsteige in Weilheim i.OB und anderen Bahnhöfen nicht gereicht.

Die wohnungsnahen Erholungsgebiete werden mittels Straßenbau und Ortsumfahrungen eliminiert, was weiteren Straßenverkehr mit sich bringt. Auf die dann, u.a. durch den Straßenbau dezimierten, unverlärmten Naturlandschaften konzentrieren sich die Erholungs- und Ausgleichsuchenden Menschen, was zu einer Überbeanspruchung und zu zusätzlichen Schädigungen führt.

Ein Teufelskreis, dem ein Ende bereitet werden muss.

Um der Umwelt, dem Klima, dem Lebensraum der Menschen, Tiere, Pflanzen und der Gesundheit aller, entsprechendes Gewicht zuzugestehen, sind die Priorisierungen und Prüfungen zu den Verkehrswegeplänen (z.B. BVWP 2030, Methodenhandbuch) entsprechend zu ändern und der Staats- und Fernstraßenaus- und -neubau umgehend zu stoppen.

Mit freundlichen Grüßen,

Karin Knöthig, Weilheim i. OB, BI Heimat 2030

Stefan Schwaller, Weilheim i. OB, BI Heimat 2030

Liste der Adressaten:

  • An das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen
  • An die Bürgermeister und Gemeinden Mittenwald, Krün, Wallgau, Grainau, Garmisch-Partenkirchen, Farchant, Oberau, Eschenlohe, Ohlstadt, Schwaigen, Oberammergau, Unterammergau, Saulgrub, Bad Kohlgrub, Murnau und die Vertreter der politischen Parteien in diesen Orten
  • An den Bund Naturschutz (BN) Bayern, den Landesbund für Vogelschutz (LBV) Bayern, den Fahrgastverband Pro Bahn und den Deutschen Alpenverein (DAV)
  • An die Direkt-Kandidaten der Parteien für die Bundestagswahl 2021
  • An die zuständigen Medien

Tunnel ist nicht gleich Tunnel

Das Staatliche Bauamt hat als eine neue Variante der geplanten Weilheimer Umfahrung eine gedeckelte ortsnahe Ostumfahrung ins Spiel gebracht und gleichzeitig jeglichen Tunnel unter der Stadt ausgeschlossen:

https://www.merkur.de/lokales/weilheim/weilheim-ort29677/umfahrung-weilheim-komplett-tunnel-im-weilheimer-osten-90479921.html

In der (ausführlicheren) Printversion des Berichts ist von einem „Paukenschlag“ die Rede. Ein solcher läutet (wenn man die Analogie zur Filmmusik aufgreifen möchte) aber kein Happy End ein, sondern rüttelt auf, während der Konflikt sich zuspitzt. Das Bild beschreibt unsere Einschätzung der neuen Variantenauswahl recht treffend. Wir haben das Für und Wider in einer Tabelle zusammen gefasst:

Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass die Optionen in den beiden rechten Spalten, die in den Aspekten des Umweltschutzes und der Lebensqualität am besten abschneiden, vom Staatlichen Bauamt jetzt ausgeschlossen werden.

Das Bundesverfassungsgericht hat zeitgleich, am 29.04.21, die Klimaschutzbemühungen der Bundesregierung für unzureichend und ungerecht gegenüber der jüngeren Generation erklärt. Wollen wir unseren Kindern wirklich eine Umfahrungsautobahn und ein marodes Schienennetz hinterlassen?

Die Bauphase einer Umfahrung ist immer belastend. Im Gegensatz zum B2 Tunnel würde ein Ost-Tunnel aber in offener Bauweise entstehen. Die Baustelle wäre über Jahre kaum zu queren, die Anwohner stark mit Staub und Lärm belastet. Kleingärten und Sportanlagen stehen im Weg, der Gögerl-Biergarten (auf dessen Wiedereröffnung wir sehnlichst warten) liegt direkt daneben. Bis zur Fertigstellung dauert es Jahrzehnte.

Es ist überdies unklar, wie Weilheims Osten dann aussehen würde: Bebauung sei bis an den Tunnelrand möglich, Erschließungsstraßen auch auf dem Deckel, weitere Ausfahrten seien prinzipiell machbar. Jede Umfahrung, auch eine gedeckelte, ist ein Türöffner für weitere Bebauung, auch für weitere Gewerbegebiete. Es kann sein, dass wir unsere Naherholungsgebiete nicht wiederfinden, wenn der Baustaub sich gelegt hat. Und auch die gedeckelte Umfahrung würde an den Anschlussstellen über mehrere hundert Meter oberirdisch verlaufen und Anwohner mit Lärm und Abgasen eines erhöhten Verkehrsaufkommens belasten.

Aber selbst das Verkehrsgutachten des Staatlichen Bauamts prognostiziert keine merkliche Verkehrsentlastung der Stadt durch eine Umfahrung, egal welche!

Weilheim geht ein Licht auf!

Online-Foto-Demo:

Wow! Wir haben hunderte von Mails mit 486 Fotos bekommen! Danke!

Nur eine kleine Auswahl der eingesandten Bilder

Mit diesem Schreiben appellieren wir an den Stadtrat, Weilheims Naherholungsgebiete zu erhalten:

Jetzt online: der Videoclip zur Aktion

Wir wollen mit dieser Aktion ein leuchtendes Zeichen setzen für ein Umdenken in der Verkehrspolitik und für mehr Wertschätzung gegenüber der Natur!

Aus der Vielzahl der Mails, die uns erreicht haben:

» Eine tolle Idee, um die in dieser Zeit notwendigen Spaziergänge mit neuen Gedanken zu füllen! «

» Es ist immer wieder unfassbar, dass für diese wunderbare Landschaft, die von soo vielen Menschen vor der Haustüre zur Erholung genutzt wird, eine Vernichtungsplanung existiert! «

» Blick nach oben: da zieht der Rotmilan seine Kreise. Blick nach vorn: Mauswiesel mit schwarzer Schwanzspitze auf Mäusejagd. Das und vieles mehr soll unter Beton bzw. im Straßenlärm verschwinden? Unvorstellbar! «

Hier finden Sie alle Teilnehmerbilder:

Hintergrund:

In einem breiten Bündnis aus sechs Gruppierungen von Umfahrungsgegnern haben wir zu einer Online-Demo eingeladen, unter dem Motto: „Weilheim geht ein Licht auf!“. Mit dabei sind:

Die Teilnehmer haben dabei Fotos in unserer, von einer Umfahrung bedrohten, Natur aufgenommen, eingesandt und in den sozialen Medien gepostet.

In dieser Zeit, wo Reisen nicht möglich ist und die meisten Freizeitangebote wegfallen, wird deutlicher als jemals zuvor: Naherholungsgebiete sind durch nichts zu ersetzen. Wir brauchen sie als Erholungsraum, als Sport- und Freizeitflächen. Für die Bewältigung globaler Krisen, des Klimawandels und des Artensterbens, ist der Erhalt der Natur und von regionalen landwirtschaftlichen Flächen unabdingbar. Angesichts neuer Konzepte, wie Homeoffice und Digitalisierung, ist Straßenbau nicht mehr zeitgemäß.

Einsendeschluss war der 9. Januar 2021.

Anmerkungen zu: „Der Nachfolger als Vorgänger“

Interview des Weilheimer Tagblattes (Sebastian Tauchnitz) mit dem ehemaligen Leiter Uwe Fritsch (bis 31.07.2020) und dem jetzigen Leiter Stefan Scheckinger (seit 01.09.2020) des Staatlichen Bauamtes Weilheim, veröffentlicht in der Ausgabe vom 12./13.09.2020.

In einem guten Drittel (7 von 19 Fragen) des Interviews geht es um die Ortsumfahrung Weilheim. Damit sind diese Planungen das heißeste und strittigste Projekt des Staatlichen Bauamts (StBA). Der Ausgang ist völlig offen. Deshalb und weil wir einige Aussagen nicht unkommentiert stehen lassen wollen, haben wir uns hier des Textes angenommen.

Auszug:

Fritsch: „… die Debatte über einen Tunnel in Weilheim ist realitätsfern.“Fritsch: „Zudem werden alle Varianten mehr oder weniger lange Tunnelabschnitte beein­halten.“ Greift Herr Fritsch hier dem Entscheidungspro­zess vor? Bisher sind in der Auswahl offiziell noch zwei Varianten ohne Tunnelabschnitte enthalten, so­wie ein bergmännischer Tunnel unter der Stadt.
Alle Kommentare zum Interview finden Sie hier:

Können Sie sich DAS vorstellen?

Weilheim besitzt in unmittelbarer Stadtnähe Natur- und Erholungsflächen von unschätzbarem Wert. Magerwiesen, Trockenrasen, Feuchtbiotope und Auwälder bieten einer großen Artenvielfalt Lebensraum. Können Sie sich wirklich vorstellen, wie es wäre, wenn diese Naturschätze von einer autobahnähnlichen, meist dreispurigen Schnellstraße zerpflügt würden? Unsere Fotomontagen können ihnen einen groben Eindruck geben wie das aussehen könnte – aber Motorenlärm und Abgasgestank statt Vogelgezwitscher lässt sich durch ein Foto nicht vermitteln.
Nach dem Verkehrsgutachten (Kurzak, Verkehrsuntersuchung 2017) wird die Innenstadt durch eine Umfahrung nicht nennenswert entlastet. Auf einigen Straßen würde der Verkehr sogar zunehmen.

Ortstermin mit Anton Hofreiter

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, kam am 6. März 2020 auf Einladung des Grünen Ortsverbands nach Weilheim. Dabei bekamen wir (Vertreter von Bund Naturschutz, LBV, Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos und BI Heimat 2030) Gelegenheit unsere Argumente gegen eine Umfahrung einem Bundespolitiker vor Ort zu schildern. Herr Hofreiter zeigte sich als Biologe sehr kundig und interessiert an Ökologie und Artenreichtum des Weilheimer Mooses. Als ehemaliger Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung erwies er sich auch für unsere Initiative als kompetenter Ansprechpartner und Kenner des Planungsprozesses, der uns wertvolle Tipps für unsere weitere Arbeit geben konnte. Bei einem weiteren Stopp am Gögerl nutzten auch Vertreter der Bürgerinitiative Marnbach-Deutenhausen, der Schutzgemeinschaft Gögerl & Weilheimer Osten und eine Landwirtin die Gelegenheit, mit dem Abgeordneten über den drohenden Flächenverlust für die Landwirtschaft, die Verkehrszunahme durch Straßenbau und die drohende Verlärmung von Wohngebieten zu sprechen.
Diese Erklärung haben wir Anton Hofreiter und den Mitgliedern des Grünen Ortsverbands überreicht:

Trassenmarkierung: So groß wäre die Zerstörung

Viele Kilometer rot-weißes Absperrband wehen derzeit rund um Weilheim im Wind – unübersehbar für alle, die derzeit in der Natur spazieren gehen. Am Samstag, 29. Februar konnte, mit der Kennzeichnung des Verlaufs der kurzen Westumfahrung, bei der Markierung möglicher Umfahrungstrassen der Ringschluss vollzogen werden.
Ein breites Bündnis aus Landwirten, Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos, Bund Naturschutz und wir von der Bürgerinitiative Heimat 2030 hatte dazu fast 100 Helfer mobilisiert, die in mehreren Teams ausschwärmten, Pfosten in den Boden schlugen, Flatterband spannten und Hinweisschilder befestigten. Alle waren sich einig: Weilheim kann keine oberirdische Umfahrung brauchen. Der Verlust an landwirtschaftlicher Fläche, an Natur, an Naherholungsgebieten wäre zu groß. Die Beeinträchtigung für die Anwohner brutal, da viele Häuser dicht neben den untersuchten Trassen liegen. Landwirte und Besitzer von Pferdehöfen sehen ihre Existenz gefährdet. Dem gegenüber steht ein kaum merklicher Nutzen, da der Anteil des Durchgangsverkehrs in Weilheim gering ist.
Zum Abschlussfoto versammelte sich die bunt gemischte Truppe in der Moosstraße, wo die Westtrassen, mitten im Moos, direkt neben einem Wohnhaus, auf einem Damm verlaufen würden und dazu noch von einer über sechs Meter hohen Brücke überspannt werden sollen. Landwirte, Naturschützer, Reiter, Stadtratskandidaten, Anwohner, mit Kindern, Hunden und Pferden, und wir natürlich, wollen damit auf die rücksichtslosen Planungen des Staatlichen Bauamts und den drohenden Verlust für Weilheim hinweisen.
Am 15. März ist Kommunalwahl: Bitte informieren Sie sich und wählen Sie nur Kandidaten, die sich gegen jede Umfahrung im Westen oder Osten aussprechen!

Menschen brauchen transparente Informationen, um sinnvoll zu entscheiden!

Update: Die Bürgerbefragung wurde am 13. Februar (gegen die Stimmen von BfW und Ingo Remesch, SPD) durch den Stadtrat gestoppt. Bürgermeister Loth behauptet, den fehlerhaften Flyer vor dem Versand nicht angesehen zu haben, obwohl er aus dem Rathaus verschickt wurde. Die fehlerhafte und manipulative Befragung hat dem Steuerzahler bis zu ihrem Abbruch bereits Kosten im fünfstelligen Bereich verursacht. Es ist zu hoffen, dass der neu zu wählende Stadtrat sich für eine transparente Information der Bürger engagiert einsetz

Der transparente Vergleich der Darstellung aus dem Faltblatt des Staatlichen Bauamts mit einer (fast*) aktuellen Karte zeigt: Die Umfahrung Weilheim wird mit veralteten Daten geplant. Wohngebiete wie Am Obstgarten, Merowinger Straße, Hardtfeld 1 & 2, Adolph-Kolping-Straße, Prälatenweg und einige mehr fehlen in der „Information“ des Bauamts (rote Pfeile). Auch bei der Lärmauswirkung wurden ganze Baugebiete außer Acht gelassen. Lage und Länge von Tunneln und Einhausungen sind aus dem Faltblatt praktisch nicht ersichtlich. Unsere Darstellung zeigt: Alle Umfahrungsvarianten weitgehend oberirdisch und viel zu nah an Wohnbebauung! Und das sind nur die gravierendsten Mängel.


Diese Stellungsnahme haben wir in einem offenen Brief an Bürgermeister und Stadtrat geschickt:


Das berichtet das Weilheimer Tagblatt.


Wir fordern die Stadt Weilheim auf, die Befragung zu stoppen und für eine unabhängige, umfassende, neutrale Information der Bürger zu sorgen, bevor der Entscheidungs- und Planungsprozess fortgeführt wird. Die Beteiligung des Staatlichen Bauamts (als Interessenvertreter) und des Büros „Cima“, das bereits für die manipulative Befragung zur Erweiterung der Fußgängerzone verantwortlich war, lehnen wir ab.

*) Das neue Gewerbegebiet Achalaich fehlt auch bei www.openstreetmap.de